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Ausbildung Schädlingsbekämpfer/in
Mit der Verordnung über die Berufsausbildung vom 15. Juli 2004 wird der Ausbildungsberuf Schädlingsbekämpfer/Schädlingsbekämpferin staatlich anerkannt. Die Ausbildung dauert drei Jahre.
Schädlingsbekämpfer/innen sind die ersten Ansprechpartner, wenn es darum geht, Menschen, Tiere, Pflanzen, Vorratsräume, Gebäude und die Umwelt durch geeignete Vorsorgemaßnahmen vor Schädlingen aller Art zu schützen. Ist es bereits zu einem Schädlingsbefall gekommen, untersuchen Schädlingsbekämpfer/innen die Räumlichkeiten, wählen die jeweils erforderlichen Bekämpfungsmittel aus und wenden diese umweltbewusst an. Sie dokumentieren alle Maßnahmen und die dabei verwendeten Stoffe. Die Beratung der Kunden nimmt einen besonders hohen Stellenwert ein: Schädlingsbekämpfer/innen geben Auskunft über das Gefährdungspotenzial, die Möglichkeiten und Dauer der Bekämpfung, über die Wirkungsweisen der Bekämpfungsmittel sowie über Sicherheits- und Vorbeugemaßnahmen.
Nicht nur in privaten Haushalten oder landwirtschaftlichen Lagerräumen, sondern auch in öffentlichen Gebäuden wie Einkaufszentren, Gastronomiebetrieben oder Bahnhöfen können die unterschiedlichsten Schädlinge ihr Unwesen treiben: Mäuse richten in Vorratskammern und Futtermittellagern erhebliche Schäden an und können durch ihren Kot und Urin zudem Krankheitserreger übertragen. Ratten verursachen kostspielige Schäden an Dämmen, Straßenuntergründen und Kanälen, die sie durch den Bau von Gängen und Nestern regelrecht untertunneln. Fruchtfliegen und Maden tun sich an unseren Lebensmitteln gütlich, Silberfischchen, Kakerlaken und Schaben fühlen sich in menschlichen Behausungen wohl. Tauben wiederum sorgen durch ihre aggressiven Exkremente für Schäden an Fassaden, und ganz im Verborgenen arbeiten sich Holzwürmer sowie Pilz- und Schwammkulturen durch Holzbalken, -türen und -treppen. Spinnmilben, Mehltau und Schnecken schließlich bedrohen Nutz- und Zierpflanzen. Auch so genannte Lästlinge wie Wespen bedürfen zur Vergrämung oder Umsetzung einer fachkundigen Hand. Und schließlich sind Schädlingsbekämpfer/innen ebenfalls die richtigen Ansprechpartner, wenn es darum geht, Lebensmittel herstellende und verarbeitende Betriebe, Krankenhäuser und Gaststätten in Hygienefragen zu unterstützen.
Schädlingsbekämpfer/innen verfügen über umfassende biologische Spezialkenntnisse, kennen charakteristische Schadensbilder und sind erfahren in der Anwendung von gefährlichen Stoffen, die sie gezielt gegen die unterschiedlichsten Schädlinge einsetzen. Im Allgemeinen arbeiten Schädlingsbekämpfer/innen allein. Und wie alle Anbieter von Dienstleistungen sind sie in gewissen Grenzen abhängig vom Zeitplan der Kunden, was unregelmäßige Arbeitszeiten bedeuten kann. Sie kennen sich außerdem im Chemikalien-, Gefahrstoff- und Lebensmittelrecht sowie in den Bereichen Arbeitsschutz und Unfallverhütung aus. Ihre Arbeit bringt sie an die unterschiedlichsten Einsatzorte, in die Wohnungen von Privatkunden, in landwirtschaftliche Betriebe, Krankenhäuser, in Gärtnereien und Wälder oder an Bahndämme. Wenn sie beispielsweise in einen Lagerraum für Lebensmittel gerufen werden, analysieren sie zunächst die Lage. Sie suchen in baulich bedingten Hohlräumen und hinter Wandverkleidungen zunächst mit bloßem Auge z.B. nach Fraß- und Bissspuren, Kotresten oder nach einzelnen toten Tieren. Dieser Anblick oder unappetitliche Gerüche dürfen ihnen nichts ausmachen. Dazu müssen sie oft in gebückter Haltung, auf Leitern stehend oder über Kopf arbeiten. Ist auf Anhieb nichts zu finden, können sie mittels moderner Larvendetektoren und Sonden sogar Fraßgeräusche hörbar machen. Schädlingsbekämpfer/innen stellen anschließend fest, an welchen Stellen des Gebäudes den Schädlingen ein Eindringen leicht gemacht wird, bringen ggf. durchlasssichere Gitter an und dichten vorsorglich Leitungs- und Lüftungsdurchgänge ab.
Wenn sie den Befall ermittelt haben, besprechen sie ihre Analyse und das weitere Vorgehen mit ihren Kunden. Sie klären sie darüber auf, wie Vorräte und Materialien besser zu schützen sind. So empfehlen sie etwa, temperierte Lager zu schaffen, um eine Vermehrung von Schädlingen zu verhindern, oder die Ware auf Paletten zu lagern, um sie von unten auf Schädlingsbefall kontrollieren zu können. Danach planen sie die Bekämpfung der Schädlinge. Sie wählen mechanische, chemische, physikalische, biologische oder biotechnische Mittel aus, berechnen die korrekte Menge, stellen die richtigen Wirkstoffe zusammen und kombinieren ggf. unterschiedliche Methoden. Ist der Einsatz von Chemikalien und Sprühgerät erforderlich, tragen sie Schutzanzüge und Atemschutzmasken. Nicht nur um Auskunft über die Höhe und Art des Befalls zu erhalten, sondern auch um die Lagerräume nach der ersten Analyse ständig zu überwachen, bringen Schädlingsbekämpfer/innen Insektenfallen wie Klebebretter, Getreide-, Licht- oder Pheromonsonden an. Bei Letzteren ziehen Sexuallockstoffe die Schädlinge an. Holz wiederum imprägnieren sie mit speziellen Holzschutzmitteln, die Holzwürmer vergraulen. Haben Mäuse ein Futtermittellager befallen, legen sie vergiftete Köder oder Schlagfallen aus. Gegen Pflanzenschädlinge, etwa in Treibhäusern, setzen sie auch Nützlinge ein, z.B. Marienkäfer, die sich von den Pflanzenschädlingen ernähren. Und um Schwämmen in Kellern und Mauern die Lebensgrundlage zu entziehen, leiten sie die Trockenlegung des Mauerwerks in die Wege. Sie dokumentieren alle Maßnahmen und die dabei verwendeten Stoffe. Bei ihrer Tätigkeit achten sie strengstens auf die Einhaltung der Gesundheits- und Umweltschutzvorschriften - schon in ihrem eigenen Interesse, denn sie haben meist mit gefährlichen Stoffen zu tun. Selbstverständlich müssen sie belastete Stoffe, Chemikalienreste und natürlich die vernichteten Schädlinge fachgerecht entsorgen.


